Verhaltenstherapeutische Methoden
mit Fokus auf Kinder und Jugendliche
In unserer Arbeit nutzen wir bewährte verhaltenstherapeutische Methoden, um Kinder und Jugendliche gezielt zu unterstützen. So können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, neue Strategien einüben und den Alltag Schritt für Schritt erleichtern.
Reiz-
konfrontation
Selbst-
management-
Techniken
Soziales
Kompetenztraining
Operante
Verfahren
Kognitive
Umstrukturierung
Euthyme
Therapie
Habit-
Reversal-
Training
Techniken
der
Stimuluskontrolle
Konfrontation
mit Reaktions-
verhinderung
Selbst-
instruktions-
training
Schema-
therapie
Trauma-
therapie
Reizkonfrontation
Reizkonfrontation (Exposition) ist eine zentrale Methode zur Behandlung von Angststörungen. Die Patientin oder der Patient wird gezielt mit dem angstauslösenden Reiz (z. B. Höhe, Menschenmengen, Schmutz) konfrontiert – entweder in der Vorstellung (in sensu) oder in der Realität (in vivo) – ohne das angstmindernde Vermeidungsverhalten zuzulassen. Ziel ist eine Habituation, also eine Abschwächung der Angstreaktion durch wiederholte Konfrontation.
Anwendungsbereiche bei Kindern und Jugendlichen:
• Schulangst
• Trennungsangst
• Tierphobien
• Soziale Ängste
Beispiel:
Ein Kind mit Angst vor dem Schwimmunterricht geht schrittweise wieder ins Schwimmbad, zunächst nur zum Zuschauen.
Selbstmanagement-Techniken
Diese Techniken fördern die Eigenverantwortung und Selbststeuerung der Patient:innen.
Sie lernen, ihr Verhalten zu beobachten, Ziele zu setzen, Fortschritte zu dokumentieren und sich selbst zu belohnen. Bestandteile sind u. a. Selbstbeobachtung, Zeitmanagement,
Problemlösetraining oder Verstärkerpläne. Besonders hilfreich bei chronischen Erkrankungen oder zur Rückfallprophylaxe.
Anwendungsbereiche:
• ADHS
• Motivationsprobleme
• Schulvermeidung
Beispiel:
Ein Jugendlicher führt ein Wochenprotokoll zur Selbstkontrolle von Medienzeiten mit anschließender Belohnung.
Soziales Kompetenztraining
Zielt auf den Aufbau und die Verbesserung sozialer Fertigkeiten, z. B. angemessenes Äußern von Kritik, Nein-Sagen, Gesprächsführung oder Emotionsregulation. Diese Methode ist besonders bei sozialen Ängsten oder Störungen mit sozialem Rückzug relevant. Oft wird in Rollenspielen, Feedbackrunden und mit Videoanalyse gearbeitet.
Anwendungsbereiche:
• Soziale Unsicherheit
• Aggressives Verhalten
• Autismus-Spektrum-Störung
Beispiel:
Ein Kind übt in der Therapie in Rollenspielen, wie man neue Freundschaften schließt.
Operante Verfahren
Basieren auf den Prinzipien der Verhaltensmodifikation durch Konsequenzen. Positive Verstärkung (Belohnung) erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens, negative Verstärkung nimmt unangenehme Zustände weg. Unerwünschtes Verhalten kann durch Löschung (keine Reaktion) oder Bestrafung reduziert werden. Häufig eingesetzt bei Kindern, ADHS oder im Rahmen von Verstärkerplänen.
Anwendungsbereiche:
• ADHS
• Oppositionelles Verhalten
• Toilettentraining
Beispiel:
Ein Kind erhält für jeden Morgen ohne Wutanfall einen Punkt für eine Wochenbelohnung.
Kognitive Umstrukturierung
Die Methode der kognitiven Verhaltenstherapie zielt darauf, belastende und unrealistische Gedanken (z. B. „Ich muss perfekt sein“) zu identifizieren und durch realistischere, hilfreichere Gedanken zu ersetzen. Dies geschieht über sokratisches Fragen, Gedankenprotokolle oder evidenzbasiertes Prüfen von Überzeugungen. Ziel ist eine Veränderung von Emotionen und Verhalten über den Denkweg.
Anwendungsbereiche:
• Depressionen
• Leistungsdruck
• soziale Ängste
Beispiel:
Ein Schüler lernt, Gedanken wie „Ich versage sowieso“ in „Ich kann es versuchen“ umzuwandeln.
Euthyme Therapie
Euthyme (wohlgestimmte) Therapie fokussiert auf die Förderung des emotionalen Wohlbefindens. Sie beinhaltet Aktivitäten, die Freude machen und positive Stimmung erzeugen (z. B. Genusstraining, kreative Tätigkeiten, Entspannung, Naturerleben). Sie dient vor allem der Rückfallprophylaxe bei Depressionen und der Stabilisierung bei chronischen Erkrankungen.
Anwendungsbereiche:
• Depression
• psychosomatische Beschwerden
• chronische Belastungen
Beispiel:
Ein Kind führt ein „Glückstagebuch“ über schöne Momente des Tages.
Habit-Reversal-Training
Wird bei Zwangshandlungen, Tics oder körperbezogenen Störungen (z. B. Trichotillomanie) eingesetzt. Es besteht aus mehreren Schritten: 1) Bewusstmachen des problematischen Verhaltens, 2) Erlernen einer alternativen, inkompatiblen Reaktion, 3) Training in Selbstbeobachtung und 4) Aufbau sozialer Unterstützung. Ziel ist die Kontrolle über automatisierte Handlungen zurückzugewinnen.
Anwendungsbereiche:
• Ticstörungen
• zwanghaftes Hautpulen
• Nägelkauen
Beispiel:
Ein Kind ersetzt das Nägelkauen durch das Ballen der Fäuste.
Techniken der Stimuluskontrolle
Diese Techniken setzen an den Auslösereizen (Stimuli) von unerwünschtem Verhalten an. Durch gezielte Veränderung von Umgebung, Tagesstruktur oder Routinen kann problematisches Verhalten reduziert werden – z. B. kein Handy im Schlafzimmer bei
Schlafproblemen, feste Essenszeiten bei Essstörungen. Ziel ist die Wiedererlangung von Kontrolle und Struktur.
Anwendungsbereiche:
• Schlafstörungen
• Medienkonsum
• Essverhalten
Beispiel:
Ein Jugendlicher legt das Smartphone ab 20 Uhr in einen anderen Raum.
Konfrontation mit Reaktionsverhinderung
Diese spezielle Form der Exposition wird häufig bei Zwangsstörungen eingesetzt. Die Betroffenen werden mit dem auslösenden Reiz (z. B. Schmutz) konfrontiert, ohne die
gewohnte Zwangshandlung (z. B. Händewaschen) ausführen zu dürfen. Ziel ist es, zu erleben, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt, und dass die Angst mit der Zeit auch ohne Handlung nachlässt.
Anwendungsbereiche:
• Wasch- oder Kontrollzwänge
Beispiel:
Ein Kind berührt eine als „schmutzig“ empfundene Türklinke und soll anschließend die Hände nicht waschen.
Selbstinstruktionstraining
Hierbei lernen die Patient:innen, sich selbst in schwierigen Situationen durch hilfreiche innere Anweisungen zu unterstützen. Die Technik wird besonders bei Kindern (z. B. mit ADHS) oder bei Impulskontrollproblemen angewandt. Das Training umfasst z. B. das Einüben von Sätzen wie „Stopp – jetzt denke ich nach“ oder „Ich schaffe das Schritt für Schritt“.
Anwendungsbereiche:
• ADHS
• Impulsivität
• Schulprobleme
Beispiel:
Ein Kind sagt sich vor einer Klassenarbeit innerlich: „Ich bleibe ruhig und mache eine Aufgabe nach der anderen.“
Schematherapie
Ein integrativer Therapieansatz, der kognitive Verhaltenstherapie mit emotions- und bindungsorientierten Elementen verbindet. Es werden früh erlernte, dysfunktionale Muster (Schemata) identifiziert, die meist aus Kindheitserfahrungen stammen, und die heutige Beziehungsgestaltung, Selbstwert und Emotionen prägen. Ziel ist es, diese Schemata zu verstehen, zu verändern und gesündere Bewältigungsstrategien zu erlernen.
Anwendungsbereiche:
• Frühkindliche Vernachlässigung
• Bindungsstörungen
• chronische Selbstwertprobleme
Beispiel:
Ein Jugendlicher arbeitet mit der Therapeutin an dem „Verlassenheits-Schema“ durch Imaginationsübungen.
Traumatherapie
Traumatherapeutische Verfahren dienen der Verarbeitung von belastenden, oft überwältigenden Erfahrungen (z. B. Gewalt, Unfälle, Missbrauch). Wichtige Methoden sind z. B. EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), imaginative Techniken, narrative Exposition oder auch stabilisierende Gespräche. Ziel ist es, traumatische Erinnerungen zu integrieren, Trigger zu entschärfen und das Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen.
Anwendungsbereiche:
• Unfalltraumata
• Missbrauch
• Verlust
• Flucht
Beispiel:
Ein Kind verarbeitet ein traumatisches Erlebnis mithilfe eines „sicheren inneren Ortes” und der Neubewertung von traumatischen Trigger-Situationen.
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